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Motivation zur Fortbildung TCM: beflügelt durch Nobelpreis für TCM-Forscherin

17.05.2017


Nobelpreis Medizin für TCM (Chinesische Medizin) gegen Malaria

Nobelpreis Medizin für TCM (Chinesische Medizin) gegen Malaria

Viele Kolleginnen und Kollegen dürften schon festgestellt haben, dass sich Patienten öfter eine Behandlung auch mit Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wünschen. Umfragen und eine zunehmende Berichterstattung in den Medien sind weitere Indizien für das allgemeine Interesse an den diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der TCM. Dieser wachsende Bedarf ist ein starkes Argument für eine fundierte Fortbildung TCM auf akademisch-wissenschaftlicher Basis.

Mit zahlreichen Absolventen der Fortbildung TCM an der TU München bin ich auch nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiengangs noch in gutem Kontakt. Sehr beeindruckt – und vielleicht auch beflügelt – hat etliche von ihnen nach der Fortbildung TCM eine Meldung, die im Jahr 2015 Schlagzeilen machte: Wissenschaft auf Basis der TCM erfuhr höchste Anerkennung, als Professorin Youyou Tu von der Chinesischen Akademie für Traditionelle Chinesische Medizin für ihre Forschungsarbeit zur Malariatherapie den Medizin-Nobelpreis erhielt.

Die Wissenschaftlerin hatte bereits in den frühen siebziger Jahren mit den Methoden der TCM den Wirkstoff Artemisinin isoliert und damit die Voraussetzungen geschaffen, ihn heute als Standardmedikament gegen Malaria einzusetzen. Konkret: Es war ihr gelungen, aus dem Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) einen äußerst wirksamen Anti-Malaria-Wirkstoff zu extrahieren. Den entscheidenden Hinweis hatte sie übrigens in einer mehrere hundert Jahre alten chinesischen Heilkundeschrift gefunden...

Es sind wohl weit mehr als eine Million Menschen, die – nachdem Artemisinin als Medikament gegen Malaria in den 1990er Jahren auf den Markt kam – dieser Entdeckung ihr Leben verdanken.

Wie zu erwarten, löste die Nobelpreis-Verleihung auch eine Debatte um das Selbstverständnis der TCM und ihre Einordnung in den Kanon der Wissenschaft aus. Ein Beitrag in der Süddeutschen Zeitung brachte es, wie ich finde, ganz gut auf den Punkt: Zwar sei „die traditionelle chinesische Medizin ... nicht die Alternative zur westlichen Medizin“, schrieb der Sinologe und Medizinhistoriker Paul Unschuld. Eine Meinung, die ich voll und ganz teile. Doch er schlug sozusagen eine Brücke zwischen Ost und West: Die Entdeckung der Forscherin Youyou Tu sei nämlich „einer der gesuchten Schätze der historischen TCM, aber dennoch in den modernen biologischen Wissenschaften verankert.“

So schließt sich der Kreis. Auch viele Absolventen der Fortbildung TCM berichten, dass sie nun im Berufsalltag diese wertvolle Erfahrung machen: Zwei vermeintlich widersprüchliche Philosophien – westliche Schulmedizin vs. TCM – gehen in Diagnostik und Therapie eine äußerst sinnvolle Synthese ein. Davon profitieren alle: Ärzte und Patienten.